#75 Jahre BÜCHL: Bezwungene Hürden. TEIL 2
Shownotes
Rohre, die nicht stehen dürfen. 12-Stunden-Tage. Ein Artikel im Donaukurier. Und ein Chef, der sagt: „Ich fühl mich sauwohl in Gummistiefeln.“
Im zweiten Teil der BÜCHL-Jubiläumsedition geht es um die wahre Geschichte, wie aus Anfängern Aufsteiger werden. Wie ein Nachfolger und eine Quereinsteigerin ins kalte Wasser springen. Wie ein mutiger Banker und eine selbstgebaute Maschine die Firma retten.
Und warum eine erfolgreiche Firmenübergabe mit dem Überholen auf der Straße vergleichbar ist.
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00:00:00: Enkel Leonhard Hallo Opahallo Leonhard, schön, dass wir wieder zusammen gekommen sind zu einem versprochenen Teil 2.
00:00:06: Enkel Leonhard Im letzten Teil haben wir ja mehr über die Gründungsphase geredet und auch Unternehmertum und das fand ich fand es so interessant, dass ich gesagt hab, warum machen wir nicht ein Teil 2 und reden noch mal bisschen, wie du eingestiegen bist in die Firma oder auch 2 Keyelemente, wo ich sagen würd, zum Beispiel die Gründung in Ungarn oder auch
00:00:28: Enkel Leonhard die Baufirma, was ja viele jetzt nicht wissen.
00:00:31: Enkel Leonhard Früher war ja mal Büchelbau.
00:00:34: Enkel Leonhard Und natürlich, was mich auch interessieren wird, wie ist die Unternehmensnachfolge geregelt, wie hast du das übergeben oder wie definiert man das?
00:00:42: Enkel Leonhard Und da wollte ich dich gleich mal fragen zum Einstieg.
00:00:45: Enkel Leonhard Du hast ja mit 25 dann gleich die Firma übernommen, bist ins kalte Wasser gesprungen.
00:00:51: Enkel Leonhard Wie war das für dich da so?
00:00:53: R. Büchl Ja, das war eine sehr interessante Phase, weil das war 1972, ich war 25, war mit meinem Studium fertig, bin aber schon während des Studiums täglich München-Ingolstadt gependelt.
00:01:04: R. Büchl Ich hab in München studiert und hab so gut es ging schon damals auch meine Eltern unterstützt, vor allem so im kaufmännischen Bereich, weil mein Vater war ein gelernter Schmied und natürlich mit wachsender Firma sind die Anforderungen da größer geworden und da war er schon am Limit.
00:01:19: R. Büchl Mein Vater hat, was das Kaufmännische betrifft, nach dem Bankkonto gelebt, hatte einen Überziehungskredit bei der Sparkasse und wenn er in dem Limit war, war für ihn erstmal kaufmännisch die Welt in Ordnung.
00:01:29: R. Büchl Ich selbst habe in der Zeit, wo ich in München studiert habe, in Nürnberg bei der DATEV Buchführung, Lohnbuchführung und Kostenrechnungskurse gemacht und habe 1970 mitten in meinem Studium bei uns in der Firma zum Beispiel E.D.V.
00:01:43: R. Büchl hat es damals geheißen, Buchhaltung eingeführt, Kostenrechnung eingeführt.
00:01:47: R. Büchl Also für mich war so der kaufmännische Bereich, der der wirtschaftliche Bereich des Unternehmens war so mein Hobby und technisch hab ich Bauingenieurwesen in München studiert und dann war ich eben fertig.
00:02:01: R. Büchl Und dann kam ein interessanter Punkt, da nenn ich meinen Vater, überraschend für mich, weil wer den kannte, der wusste, das war einer, da ging es, der wusste in welche Richtung er wollte und da ist auch.
00:02:13: Enkel Leonhard Das hast du das letzte Mal auch erzählt.
00:02:16: R. Büchl Na und dann
00:02:17: R. Büchl kam der Punkt dann, die Firma hieß damals Josef Büchl, war ein Personenunternehmen, hieß aber auch, dass der Herr Josef Büchl und seine Frau, die hatten Gütergemeinschaft und alles, was sie privat hatten, hat für die Firma gehaftet.
00:02:33: Enkel Leonhard Und was auch respektierend ist, dass man einfach sagt, man macht jetzt ein Unternehmen auf, wo sein Name draufsteht, damit haftet man ja auch für den Namen, finde ich auch ziemlich respektvoll, vor allem
00:02:45: Enkel Leonhard wenn man sich das nochmal aus der Perspektive anschaut, man weiß noch gar nicht, wie es weitergeht.
00:02:49: Enkel Leonhard Und du schreibst jetzt gleich mal deinen persönlichen Namen drauf und sagst, das bin ich und das ist mein Unternehmen und ich führ das so, wie ich eigentlich da ticke.
00:02:58: R. Büchl Ja, dann sprichst du einen wichtigen Punkt an, weil wenn du dann selber Unternehmer bist, dann spürst du plötzlich ja diese Herausforderung, diesen Druck, dass alles, was jetzt in der Firma passiert und je größer die wird, desto mehr bist du abhängig von Mitarbeitern, denen du nicht jeden Tag über die Schulter schauen kannst.
00:03:15: R. Büchl Steht dein Name positiv oder negativ?
00:03:18: R. Büchl Im Vorjahr, das ist mir aber auch erst später so richtig bewusst geworden.
00:03:21: R. Büchl Umgekehrt haben wir jetzt dritte Generation und haben unseren Namen nicht aufgegeben.
00:03:27: R. Büchl Das heißt, wir stehen zu dem und das ist Teil unserer Unternehmer-DNA, dass wir auch mit unserem Namen dafür stehen, was wir tatsächlich tun.
00:03:38: R. Büchl Damals ist mir das nicht so bewusst geworden, war die Firma Büchl und dann
00:03:43: R. Büchl haben wir eine KG gegründet, also eine Kommanditgesellschaft.
00:03:46: R. Büchl Bei einer Kommanditgesellschaft gibt es einen Vollhafter und Kommanditisten.
00:03:50: R. Büchl Interessant, der Vollhafter war ich, der Student mit 25 Jahren und meine Eltern waren die Kommanditisten.
00:03:56: R. Büchl Ich war dann auch der Geschäftsführer der Offizielle.
00:03:59: R. Büchl Im Endeffekt war es egal, weil bis zum letzten Hosenknopf mein Elternhaus, alles war verpfändet an die Sparkasse, sonst hätte mein Vater nicht gründen und nicht weitere Investitionen machen können.
00:04:12: R. Büchl Und das war für mich
00:04:13: R. Büchl Dann beim tatsächlichen Einstieg plötzlich war ich der Unternehmer, hatte Verantwortung für die Firma, hatte Lust auf die Firma, also Ideen ohne Ende, aber einen unglaublichen moralischen Druck.
00:04:26: R. Büchl Nämlich alles, was ich jetzt mache, war in irgendeiner Form mit einem Risiko natürlich auch verbunden.
00:04:31: R. Büchl Und wenn irgendeine Idee schief geht, dann sitzen meine Eltern auf der Straße.
00:04:36: R. Büchl Und ich kann mich noch gut erinnern, in meiner Kinderzeit, mein Vater war ein sehr mutiger Unternehmer.
00:04:40: R. Büchl „Wir halten es aus, wenn es die Bank aushält und wieder investieren noch einen Lkw gekauft.“ Und meine Mutter hat immer gesagt: „Wenn da mal was schief geht, haben wir nicht mal mehr ein Dach über dem Kopf.“ Und das ist mir so, da sehe ich sie vor mir in dieser Angst.
00:04:57: R. Büchl Und plötzlich war ich der Junge mit 25, die hatten sich halb tot gearbeitet.
00:05:01: R. Büchl Und jetzt komme ich mit irgendwelchen neuen Ideen, gehe weitere Risiken ein und setze praktisch mein Elternhaus aufs Spiel.
00:05:08: R. Büchl Und das war für mich ein No-Go, unmöglich.
00:05:11: R. Büchl Und deshalb habe ich mich dann hingesetzt, habe einen Businessplan gemacht, einen Fünfjahresplan mit meinen geplanten Investitionen, aber auch Return of Invests.
00:05:20: R. Büchl Also, ich hab das durchgerechnet.
00:05:21: R. Büchl Ich war damals schon ein bisschen so ein Programmierfreak, hatte einen ersten tragbaren Computer, es gab kein Windows, das hieß Framework, aber das hat alles sehr professionell ausgesehen, war es ja auch.
00:05:31: R. Büchl Und ich hatte wirklich einen 5-Jahres-Businessplan, den hab ich dann ausgedruckt auf einem Blatt und bin mit dem zum Sparkassendirektor Bauer,
00:05:40: R. Büchl Ich habe mich vorgestellt als der neue Geschäftsführer, der jetzt die Firma Büchel weiterentwickeln will und habe ihm dann erzählt, dass ich ein Problem habe.
00:05:50: R. Büchl Dass ich Ärmel raufkremple, unternehmerisch tätig sein möchte, aber ich komme mit dem nicht klar.
00:05:56: R. Büchl Ich kann nicht investieren, solange mein Elternhaus mit im Feuer steht.
00:06:00: R. Büchl Und meine Bitte heute wäre, dass er mir die Hypothek von meinem Elternhaus freigibt.
00:06:05: R. Büchl Was eigentlich undenkbar.
00:06:08: R. Büchl war zum damaligen Zeitpunkt, da waren Sparkassen, Sparkassen und keine Risikobanken.
00:06:14: R. Büchl Dann hab ich ihm meinen Businessplan gegeben und er saß da, war so ein fast 2 Meter Mann und ich war so ein kleiner wackliger fünfundzwanzigjähriger.
00:06:23: R. Büchl Dann hat er sich den angesehen und dann hat er mich über die Brille so angeschaut und hat er gesagt: 'Herr Büchel, das was Sie mir jetzt hergelegt haben, das hat mir jetzt noch kein so ein kleiner Familienunternehmer auf den Tisch gelegt.
00:06:33: R. Büchl Ich mach jetzt was, was ich eigentlich machen dürfte.
00:06:36: R. Büchl Ich
00:06:36: R. Büchl Ich setze es auf ihre Person und gebe diese Hypothek vom Elternhaus blankofrei.
00:06:42: Enkel Leonhard Und damit ist es dann erfolgreich.
00:06:44: R. Büchl Und das war der Startschuss für die Entwicklung unseres Unternehmens, weil ich hätte es moralisch nicht machen können zu Lasten meiner Eltern.
00:06:53: R. Büchl Es wäre alles gut gegangen, im Nachhinein weiß man das, aber ich hätte es nicht gemacht, weil ich es einfach nicht übers Herz gebracht hätte.
00:07:00: R. Büchl Die haben beide gearbeitet bis zum Umfallen, waren physisch und psychisch
00:07:05: R. Büchl am Limit, als ich eingestiegen bin und dann mir zuschauen, was ich für Ideen hab und ihr Häuschen steht zur Debatte, wär unmöglich gewesen.
00:07:14: R. Büchl Und deshalb war das damals der Durchbruch.
00:07:17: R. Büchl Ich hab den Direktor Bauer später immer mal wieder getroffen und er hat gesagt, er hat keine Firma so verfolgt wie die unsere und hat sich gefreut, weil nach 67 Jahren waren wir im Donaukurier drin mit Pilotprojekt 1, Pilotprojekt 2 in Sachen Abfallwirtschaft und so weiter.
00:07:34: R. Büchl und er hat gesagt, jedes Mal, wenn er von uns was gelesen hat, hat er sich auf die Schulter geklopft und hat gesagt, ich hab auf den richtigen Mann gesetzt.
00:07:41: R. Büchl Also das war eine tolle Geschichte und und der Durchbruch, ich kann dem gar nicht viel genug danken, leider lebt er nicht mehr, aber das dieses Ereignis, das war so der Startschuss für unsere erfolgreiche Entwicklung und in dem, was hier gut dazu passt, das erste, was er in der Zeitung gelesen hat,
00:08:00: R. Büchl erzähle ich in die Story, nämlich vom Bau.
00:08:02: R. Büchl Es war ja damals Büchelbau und Entsorgung.
00:08:05: R. Büchl Ich war Bauingenieur.
00:08:07: R. Büchl Und dann hat in dem Jahr, als ich fertig geworden bin, haben die Stadtwerke eine Ausschreibung gemacht.
00:08:13: R. Büchl Ein Rohr mit, ich weiß nicht mehr, 40 Zentimeter etwa 140 Meter unter dem Hauptbahnhof Rangiergelände durchpressen.
00:08:22: R. Büchl Mein Vater hatte schon bis ungefähr 10 Zentimeter mit dem Kompressor so Rohre, weil er ein Kabel verlegt hat, unter Straßen durchgeschoben.
00:08:30: R. Büchl Aber
00:08:30: R. Büchl Ich wusste nur, es gibt solche Geräte für uns, aber unerschwinglich.
00:08:37: R. Büchl Und dann hatte ich die Idee, ich konstruiere selbst 1 und wir bauen uns 1 und mit dem machen wir das.
00:08:42: R. Büchl Und dann hab ich ein Angebot abgegeben, das war so irgendwo vor Weihnachten und im Frühjahr musste das gemacht werden und hab den Auftrag erhalten für diese Durchpressung, ohne dass ich ein Gerät hatte, nur im Kopf.
00:08:56: R. Büchl Und dann hab ich das Gerät konstruiert.
00:08:58: R. Büchl Ich mein, ich war Statiker, ich konnte alles berechnen, die hohen Drücke und so weiter.
00:09:01: R. Büchl Dann haben wir uns Hydraulikzylinder gekauft, einen Ölmotor, Schnecken, mit denen man im Rohr den Dreck rausbohren konnte.
00:09:09: R. Büchl Und in Großmehring bei der Firma Hallermeier, das war die Schmiede, wo mein Vater gelernt hat, dort haben wir dieses Gerät gebaut.
00:09:17: R. Büchl Und dann war das Gerät fertig.
00:09:19: R. Büchl Dann haben wir aber nirgends testen können, sondern dann ging die Baustelle los.
00:09:23: R. Büchl Wir haben eine Grube ausgehoben,
00:09:26: R. Büchl 4 Meter tief oder was, haben das Gerät reingestellt.
00:09:29: R. Büchl Und dieses Gerät, das konnte ich nur bedienen.
00:09:31: R. Büchl Unser Werkstattmeister, das war der Wippmann Sepp damals und ich.
00:09:36: R. Büchl Und dann haben wir angefangen, da waren wir mit glänzenden Augen drucken gestanden, das erste Rohr rein und dann ging das los und es hat funktioniert und wir haben das Rohr reingepresst, wir haben ausgebohrt, das nächste rangeschweißt.
00:09:49: R. Büchl Aber das Problem war, es ging ja unter den Rangiergleisen den ganzen Tag
00:09:55: R. Büchl gerüttelt, gerüttelt, gerüttelt.
00:09:56: R. Büchl Das Rohr durfte eigentlich nie 12 Stunden oder was liegen, dann hätten wir es nicht mehr weitergebracht und wäre es zugerüttelt gewesen.
00:10:04: R. Büchl Also haben wir in zwei Schichten, zweimal 12 Stunden, der Wittmann, Sepp und ich, haben wir uns abgewechselt und haben rund um die Uhr dieses Rohr da reingepresst.
00:10:15: R. Büchl Und natürlich war das eine Sensation und im Donaukurier ein großes Bild von unserer Baugrube.
00:10:22: R. Büchl Sensationell
00:10:24: R. Büchl 140 Meter durchs Hauptbahnhofgelände wird dann Rohr durchgepresst und das war so, so ein erstes ganz tolles Erfolgserlebnis, aber auf der Bauseite.
00:10:34: R. Büchl Und wenn ich da zurückdenke, ich hab mich sauwohl gefühlt in Gummistiefeln, da hast du gesehen, wenn du draußen was, was passiert, was gemacht worden ist und das war nicht bloß ein Start, um zu zeigen, was wir eigentlich drauf haben, auch auf der Bauseite, sondern mit diesem Gerät konnte ich
00:10:52: R. Büchl Rohre bis zu einem Meter Durchmesser unter Autobahnen, unter Bahngleisen durchrissen, ohne dass man aufgraben musste.
00:11:00: R. Büchl Und das war damals sensationell.
00:11:02: R. Büchl Es gab ein paar Firmen in Deutschland, die solche Geräte hatten, solche teuren, ich unser selbst gebautes, aber funktionell.
00:11:09: R. Büchl Und wenn ich heute so zurückdenke, dann war ein wesentlicher Teil der Entschuldung meiner Firma und es war wirklich am äußersten zur Reißgrenze, waren wir verschuldet damals.
00:11:20: R. Büchl Mit diesem Gerät
00:11:22: R. Büchl hab ich das erste, ich sag mal, große Geld verdient, Kapital angesammelt in der Firma, Schulden abgebaut, weil wir ab dem Zeitpunkt bekannt waren und im Umkreis von 5060 Kilometern, wenn irgendwo was durchzupressen war, waren wir mit unserem Gerät da.
00:11:40: Enkel Leonhard Aber was ich mich jetzt frag, wenn du den ganzen Tag auf der Baustelle warst und da durchgepresst hast, wer hat dann eigentlich die Buchhaltung gemacht?
00:11:49: Enkel Leonhard Wer hat das alles übernommen?
00:11:50: Enkel Leonhard Das ist ja auch
00:11:52: Enkel Leonhard interessant.
00:11:53: R. Büchl Da springst du noch an einen Punkt an, den man oft übersieht.
00:11:57: R. Büchl Das ist nämlich der zweite Teil im privaten Bereich.
00:12:00: R. Büchl Meine Frau, mit der ich ein Riesenglück hatte, ich hab mich in sie verliebt.
00:12:04: R. Büchl Ich bin mit ihr Skifahren gegangen.
00:12:05: R. Büchl Sie hat sich ein Bein gebrochen, konnte zweieinhalb Jahre nicht mehr laufen.
00:12:09: R. Büchl Hätte eigentlich zuhause eine Metzgerei übernehmen sollen.
00:12:12: R. Büchl Und ich hab dann gesagt: „Das wird nichts mehr.
00:12:15: R. Büchl Du gehst zu uns.“ Und wir hatten damals eine Büroangestellte
00:12:21: R. Büchl "Du magst bei uns die Buchhaltung." Sie hatte aber keine Ahnung.
00:12:26: R. Büchl Dann hat sie in der Volkshochschule Abendkurse besucht und Buchhaltung gelernt und ist dann quer eingestiegen, ins kalte Wasser gesprungen und hat die ganze Firmenentwicklung mitgemacht als, sagen wir mal, kleine Anfängerin Buchhaltung bis zum Aufbau der gesamten Verwaltung, Umzug nach Wettstetten, Umzug nach Ingolstadt, immer größere Verwaltung.
00:12:49: R. Büchl Sie hat sich
00:12:50: R. Büchl unglaublich entwickelt und hat das alles gestemmt, diesen ganzen Verwaltungsbereich organisiert.
00:12:57: R. Büchl Wir haben damals Bau, war ganz schwierige Abrechnung, Schlechtwettergeld, waren ganz komplizierte Abrechnungsvorgänge.
00:13:04: R. Büchl Da hat sie sich reingebissen, reingearbeitet und hat mir den Rücken freigehalten.
00:13:08: R. Büchl Aber woran ich mich noch gut erinnere, das war in der Zeit, wo ich noch studiert hab, ist sie bei uns schon in meinem Elternhaus, da hatten wir ein kleines Büro und da war ihr Einstieg.
00:13:18: R. Büchl Ich hab war in München,
00:13:19: R. Büchl jeden Tag nach München, mit dem Zug zurück in die Firma.
00:13:24: R. Büchl Sie hat tagsüber gebucht und war natürlich ein komplettes Greenhorn.
00:13:28: R. Büchl Fehler reingebucht, konnte aber nichts ausbuchen, stornieren.
00:13:31: R. Büchl Das habe ich dann Abend gemacht.
00:13:33: R. Büchl Ich sage es mal ein bisschen übertrieben: Die hat literweise reingeheult in diese große Buchungsmaschine.
00:13:39: R. Büchl Das war so unser Einstieg, dass unsere Abende, wir waren ja eigentlich ein verliebtes Paar, unsere Abende sind im Regelfall so gelaufen, dass wir vor der Buchungsmaschine waren,
00:13:49: R. Büchl und ich hab ihr gezeigt, wie man Feder rausbucht und wie man, wie man das Ganze wieder in Ordnung bringt.
00:13:54: R. Büchl Also das, wenn man heute dran denkt, das war unglaublich, aber wir haben nicht aufgegeben und sie hat sich genauso erfolgreich im kaufmännischen Bereich entwickelt, von 0 weg als Quereinsteigerin wie ich, nach und nach eben als Unternehmer, dass ich ja auch nie gelernt hab, sondern einfach ins kalte Wasser gesprungen.
00:14:12: Enkel Leonhard Wenn man sich das noch mal so vorstellt, ist es eigentlich kaum vorstellbar, was für mich schon letzte Folge
00:14:18: Enkel Leonhard mir kaum vorstellbar war, dieses Risiko auf sich zu nehmen.
00:14:21: Enkel Leonhard Aber auch dieser Arbeitsdruck und eigentlich immer da zu sein fürs Unternehmen und wie du schon sagst, eigentlich hättet ihr andere Abende auch mal entspannt machen wollen, aber das geht halt einfach nicht.
00:14:34: Enkel Leonhard Und vielleicht ist das auch die Seite des Unternehmertums, die man nicht so sieht.
00:14:39: R. Büchl Wenn man von außen ist, dass es nicht falsch rüberkommt, worauf wir heute auch stolz sind.
00:14:44: R. Büchl Wir haben gearbeitet bis zum Unfall und wenn es notwendig war,
00:14:47: R. Büchl Aber wir haben auch gefeiert, wenn es gepasst hat.
00:14:51: R. Büchl Also, dass er nicht rüberkommt.
00:14:52: R. Büchl Wir haben unser Leben der Firma geopfert.
00:14:55: R. Büchl Die Firma hatte die höchste Priorität, aber ich habe Musik gemacht, wir haben mit Freunden gefeiert.
00:15:01: R. Büchl Also wir haben die zwei Dinge untereinander gebracht und haben unser Leben nicht verschenkt.
00:15:07: R. Büchl Viel Schwerpunkt war die Firma, die hat uns gefordert.
00:15:10: R. Büchl Aber ich würde heute nicht sagen, wir haben zehn Jahre lang kein Privatleben gehabt, sondern alles der Firma geopfert, das würde nicht
00:15:17: R. Büchl stimmen.
00:15:18: R. Büchl Was zum Bau vielleicht noch, um das abzuschließen, was viele auch nicht wissen, ich hatte nach ein paar Jahren, hatte ich ungefähr 80 Mitarbeiter am Bau.
00:15:26: R. Büchl Wir waren eine große Tiefbaufirma in Ingolstadt und was von uns jetzt gibt es Büchelbau ja nicht mehr, weil sich alles auf die Entsorgung dann später konzentriert hat.
00:15:35: R. Büchl Aber was von uns noch so, ja, ich sag mal, Relikte oder sichtbare Themen sind, der Paradeplatz in Ingolstadt, den haben wir gepflastert,
00:15:45: R. Büchl den Eingang vom Klinikum Ingolstadt, diese großen Granitsteine.
00:15:48: R. Büchl Ich weiß nicht, ich bin in die Schweiz damals gefahren mit der Kollegenfirma, mit denen wir es gemeinsam gemacht haben und habe die ausgesucht im Steinbruch und dann haben wir die fertigen lassen und wir haben praktisch den heutigen Eingang vom Klinikum, diese riesigen Granitplatten, haben wir an unser Unternehmen verlegt.
00:16:05: R. Büchl Also wir haben im Baubereich waren wir eine große Ingolstädter Tiefbaufirma und parallel hat sich halt das Thema Abfall und Abfallwirtschaft
00:16:14: R. Büchl entwickelt und ich selbst habe in diesem Bereich die größten Chancen gesehen, weil ich eben so ein Daniel Drüsentrieb war, weil ich so viele Ideen hatte, mich dort noch stärker zu entwickeln als auf der Bauseite.
00:16:27: R. Büchl Und darum habe ich dann über Jahre den Bau wieder reduziert und dafür aber den Entsorgungsbereich mit innovativen Investitionen aufgebaut.
00:16:36: Enkel Leonhard Da wollte ich auch nochmal drauf eingehen, Entsorgungsbereich.
00:16:40: Enkel Leonhard Wir sind ja eine Entsorgungsfirma, jetzt halt eigentlich durch und durch.
00:16:44: Enkel Leonhard Und wenn man so anschaut, ich weiß, wir hatten, du hast immer erzählt, wir hatten mal die erste Sortieranlage in Bayern und das sind Pilotprojekte und eigentlich Entsorgung in Deutschland, auch wenn es heutzutage so selbstverständlich ist, das war es, glaube ich, gar nicht damals.
00:16:59: Enkel Leonhard Oder damals gab es eine Restmülltonne, wo man alles reingeschmissen hat, die ganze Sortierung oder dass sich die Haushalte auch dran gewöhnt haben, ja ich muss meinen Müll jetzt trennen, ist ja erst entwickelt worden.
00:17:11: R. Büchl Waren wir noch ganz weit weg.
00:17:12: R. Büchl 1972, das ist ein reiner Zufall, als ich die Firma übernommen habe, in dem gleichen Jahr ist das erste deutsche Abfallgesetz verabschiedet worden und das hieß Abfallbeseitigungsgesetz.
00:17:24: R. Büchl Also nicht irgendwo Recycling oder was, sondern geordnete Abfallbeseitigung.
00:17:29: R. Büchl Und das hat nur geheißen, dass jetzt überall Mülltonnen stehen, alles in eine Tonne und in eine Deponie oder in eine Müllverbrennung, die aber damals kein Heizkraftwerk war, sondern
00:17:40: R. Büchl den Dreck in die Luft geblasen und das Zeug verbrannt.
00:17:43: R. Büchl Natürlich schon auch, sagen wir mal, einen Beitrag geleistet hat, ist immer noch besser, die Dinge zu verbrennen, als im Boden einzugraben und warten, bis im Grundwasser irgendwelche Kontaminationen oder was da sind.
00:17:54: R. Büchl Aber das war damals der Standard und ich für mich und wir haben aber damals auch schon Audi entsorgt, zum Beispiel, und ich hab ja gesehen, was wir da jeden Tag rausfahren.
00:18:03: R. Büchl Verpackungen gemischt, so wurden sie halt im Werk, das war halt traditionell so, da waren
00:18:10: R. Büchl Kappe, Folien, alle möglichen Dinge, Styropor, das war in einem Container, mit dem konnte man nichts anfangen.
00:18:17: R. Büchl Wo haben wir ihn hingefahren?
00:18:18: R. Büchl In die Müllverbrennung.
00:18:20: R. Büchl Da hab ich gesagt, da muss ja, das muss ja irgendwo anders gehen.
00:18:23: R. Büchl Und das war der Auslöser, dass ich gesagt hab, jetzt baue ich eine Sortieranlage, wo ich die Dinge auseinandernehmen kann, weil jeder dieser einzelnen Abfallbestandteile waren verwertbar, gerade Altpapier.
00:18:36: R. Büchl Ja, es gab Papierfabriken, es gab auch schon
00:18:39: R. Büchl Zum Teil Altpapiersammler, das war eine eigene Branche, die sind nicht als Entsorger behandelt.
00:18:45: R. Büchl worden.
00:18:45: R. Büchl Ich weiß noch gut, als ich dann die erste Papierpresse aufgestellt hab, da hat mein Vater gesagt: "Gehen wir jetzt zu den Lumpensammlern." Weil das war so nach dem Krieg, haben Leute Lumpen gesammelt, Altpapier gesammelt und haben sich dann ein bisschen Geld verdient und haben ihm das Altpapier an Papierfabriken verkauft.
00:19:01: R. Büchl Also das ging, bloß gemischt mit anderen Materialien war es Müll.
00:19:05: R. Büchl Und das war so unser Einstieg und dann hab ich die Sortieranlage gebaut.
00:19:09: R. Büchl Ich weiß noch gut, mein Vater war ein Fuchs, also der war auch so ein Tüftler wie ich.
00:19:14: R. Büchl Und dann haben wir die Sortierer .
00:19:15: R. Büchl Da gab's ja keine Firma, die eine Sortieranlage geliefert hat.
00:19:19: R. Büchl Wir haben mit unserem Werkstattmann wieder, Wittmann Sepp in Plaumann, standen wieder, haben das zusammengeschweißt, haben uns ein Förderband gekauft und haben so überhaupt mal eine Sortieranlage hingekriegt.
00:19:31: R. Büchl Später haben wir mit der Stadt dann einen Versuch gemacht.
00:19:33: R. Büchl Grüne Tonne hat das geheißen.
00:19:35: R. Büchl Am Haushalt eine zweite Tonne, nicht wie heute zweite, dritte, vierte, sondern eine, wo alle Wertstoffe reingeworfen worden sind.
00:19:43: R. Büchl "Ich hab eine Sortieranlage und da sortieren wir die jetzt." Aber wir haben dann mit Sortierkräften, die da oben standen, z.B.
00:19:50: R. Büchl die Folien rausgeklappt und das bisschen Metall und so was, was da drin war.
00:19:55: R. Büchl Da waren aber auch Flaschen drin und Papier.
00:19:59: R. Büchl Dann haben wir vorher alles raus, bis auf Flaschen und Papier.
00:20:02: R. Büchl Dann hatte mein Vater eine Idee und hat gesagt: "Die Bauern, die haben Heugebläse, die saugen das Heu an und blasen sie in die Scheunen oben rauf."
00:20:11: R. Büchl Mit solchen könnten wir doch das Papier raussaugen aus der Papier-Glas-Mischung.
00:20:16: R. Büchl Dann haben wir über unsere Sortieranlage ein Bauernheugebläse drüber gebaut.
00:20:20: R. Büchl Dann lief da unten das durch, das Glas ist weitergelaufen und das Papier haben wir rausgesaugt.
00:20:25: R. Büchl Das war schon sensationell.
00:20:27: R. Büchl Aber natürlich, wenn ich da heute dran denke, ihre Zeit.
00:20:31: R. Büchl Und so sind wir in die Abfallwirtschaft eingestiegen.
00:20:35: Enkel Leonhard Und haben sie auch erweitert, wie z.B.
00:20:38: Enkel Leonhard jetzt.
00:20:39: R. Büchl Und haben die große Chance genutzt.
00:20:41: R. Büchl Weil für mich war klar, und das ist eben das, was sagen wir ein bisschen so ein Daniel Düsentrieb oder Visionär ausmacht, dass auf Dauer Abfälle, die Wertstoffe sind, nicht vergraben oder verbrannt werden dürfen, sondern wir müssen zurück in den Wirtschaftskreislauf.
00:20:57: R. Büchl Und dann haben wir uns profiliert und dann sind wir immer bekannter geworden, immer mehr Pilotprojekte.
00:21:02: R. Büchl Ich hab dann Ende der 80er, Anfang der 90er hatte ich dann einen Beratervertrag mit dem Bayerischen Umweltministerium.
00:21:09: R. Büchl Meine Minister waren ****
00:21:11: R. Büchl in Gauweiler, die ich dann in der Entwicklung der Abfallwirtschaft in Bayern beraten habe, aber auf der Basis von unseren praktischen Versuchen.
00:21:18: R. Büchl Ich hab gesagt, schau her, es geht, wenn wir eine Papiertonne aufstellen vor den Haushalten, dann können wir das Papier verwerten.
00:21:25: R. Büchl Und ich weiß noch gut, ich hab damals gesagt, vielleicht brauchen wir eine zweite, dritte oder vierte Tonne am Haushalt.
00:21:30: R. Büchl Da haben mich die für verrückte Erklärungen gesagt, das können wir den Bürgern nie zumuten.
00:21:33: R. Büchl Heute ist es Standard in ganz Deutschland.
00:21:35: R. Büchl Und das war eben die Chance, dass ein Megatrend da war, der
00:21:41: R. Büchl unumkehrbar war und in so einem Megatrend, da gewinnen die Innovativen und die Statischen verlieren.
00:21:47: R. Büchl Das war eigentlich die große Chance und das war auch mit der Hauptpunkt, warum ich dann den Bau sukzessive zurückgefahren habe und habe mich immer mehr auf das Thema damals Abfallwirtschaft, heute heißt es Kreislaufwirtschaft, konzentriert.
00:22:01: R. Büchl Wir haben gesagt, da liegt unsere Zukunft, da können wir uns entwickeln.
00:22:05: R. Büchl Und wir hatten das Glück, 2 innovative Partner, das war Audi,
00:22:10: R. Büchl Du musst auch welche finden, die diesen Blödsinn mitmachen.
00:22:14: R. Büchl Viele haben mich als Spinner bezeichnet.
00:22:16: R. Büchl Aber dort gab es welche, die gesagt haben: Wenn das funktioniert, dann sind wir dabei.
00:22:20: R. Büchl Weil das ist unser Müll und wenn man aus dem was machen kann, sind wir dabei.
00:22:23: R. Büchl Und das Gleiche war damals der Oberbürgermeister Schnell, der jede Idee, die ich hatte im Bereich, wir können ja aus Abfall, aus Haushalten was machen, hat er gesagt: Das probieren wir aus, da machen wir mit.
00:22:35: Enkel Leonhard Ja, und dann wollte ich dich fragen,
00:22:40: Enkel Leonhard heißt es ja weitergeführt und weiter ausgebaut und irgendwann ist dann der Zeitpunkt gekommen zur Nachfolge oder wie hat es so funktioniert, dass es so reibungslos geklappt hat, wenn man jetzt zurückschaut.
00:22:52: R. Büchl Ja, das war natürlich auch so ein Punkt, die Firma hat sich positiv entwickelt, ist immer größer geworden, wir sind nach Wettstetten gezogen, auf einen Bauernhof erst.
00:23:03: R. Büchl 10 Jahre später sind wir nach Ingolstadt, haben unser jetziges Betriebsgelände, den ersten Teil gekauft,
00:23:08: R. Büchl Zwischenzeitlich ja x-fach erweitert und hatten 2 Kinder, die Iris und den Rainer, also deinen Papa, die von klein weg aufgewachsen sind, natürlich auch mitgekriegt haben, dass wir Unternehmer sind und dass die Firma Büchel sich entwickelt.
00:23:24: R. Büchl Und als sie noch relativ klein waren, hab ich mich mit der Oma unterhalten und gesagt: 'Mensch, wie gehen wir denn mit unseren Kindern um?
00:23:31: R. Büchl Jetzt haben wir 'ne erfolgreiche Firma.
00:23:32: R. Büchl Das Schlimmste wäre, wenn die meinen, sie erben mal eine Firma und müssen selbst
00:23:36: R. Büchl Nix lernen, keine Leistung bringen, nix machen, das hat uns beschäftigt.
00:23:41: R. Büchl Und deshalb haben wir damals vor den Kindern, da waren die 6, 7, 18 Jahre alt, hab ich mit der Oma, nicht mit den Kindern, aber vor den Kindern, über unsere Probleme diskutiert, wo wir da ein großes Problem haben, warum ich da nicht schlafen kann.
00:23:55: R. Büchl Und hoffentlich funktioniert das, damit die Kinder von klein weg mitkriegen, ein Unternehmer ist kein Geschenk, wo man jeden Tag Geld zählen muss, sondern ein Unternehmer ist eine Herausforderung, ein Unternehmen,
00:24:06: R. Büchl wo du jeden Tag arbeiten musst, damit das Unternehmen nach vorne weg stabil ist, sich weiterentwickelt.
00:24:13: R. Büchl Und ich hab manchmal mit der Oma dann unter 4 Augen gesprochen, also hoffentlich schrecken wir die Kinder nicht so ab, dass die gar keine Lust mehr haben, in die Firma reinzugehen.
00:24:22: Enkel Leonhard Aber sie hatten Lust.
00:24:23: R. Büchl Aber sie hatten Lust und als sie dann so 1213 waren, haben wir mit ihnen auch schon mal offen darüber gesprochen und haben haben eine Spielregel aufgestellt und gesagt,
00:24:36: R. Büchl in die Firma, ihr könnt beide in die Firma rein, ihr könnt beide die Firma übernehmen, aber nur wer sich rein trennt, kommt in die Firma.
00:24:45: R. Büchl Kraft Geburt gibt es keine Nachfolge, das wussten die.
00:24:49: R. Büchl Also, sie mussten sich ganz aktiv in die Firma rein drängen und dann hatten sie auch die Chance, die Firma zu übernehmen, weil wir hatten dann irgendwann mal 100, 120, 130 Mitarbeiter und das heißt ja auch, du bist für 120
00:25:05: R. Büchl Existenzen mitverantwortlich.
00:25:07: R. Büchl Die Arbeitsplätze hängen an deiner Firma.
00:25:09: R. Büchl Und da muss vorne ein Unternehmer sein, der das kann und der das will.
00:25:13: R. Büchl Und das ist kraft Geburt nicht automatisch gegeben.
00:25:16: R. Büchl Und wenn jetzt dein Papa ein toller Künstler gewesen wäre oder Musiker und wäre dann in die Bayerische Staatsoper, dann hätte er dorthin gehen müssen und nicht die Firma übernehmen.
00:25:27: R. Büchl Und das muss man eben rausfinden: Bin ich ein Unternehmertyp?
00:25:31: R. Büchl Und wenn ich einer bin,
00:25:33: R. Büchl dann ist eine Riesenchance, gerade für ein Familienunternehmen, dass eben alle 30 Jahre in dieser Sollbruchstelle, ich habe vorhin immer gesagt, Chance Familie, Risikofamilie, entscheidet sich, ob für die nächsten 30, 40 Jahre, wenn der richtige Unternehmer wieder nachkommt in der Familie, wieder eine stabile Situation besteht, wo das Unternehmen gesichert ist, die Arbeitsplätze gesichert und vorne einer dran ist, der weiß, wo es hingeht, der nach vorne schaut und der die Firma ständig nach vorne weiterentwickelt.
00:26:02: R. Büchl denn aus der Vergangenheit kann keine Firma leben.
00:26:05: Enkel Leonhard Ja, ich als als Kind vom vom Papa seh es ja auch immer, was das auch tatsächlich letztendlich bedeutet.
00:26:13: Enkel Leonhard Wir haben vorhin mal geredet, du hast da dann gefeiert und da gearbeitet, aber es ist nicht mit einem 8 Stunden Job zu vergleichen.
00:26:20: Enkel Leonhard Man ist am Wochenende auch da oder man arbeitet länger, Papa geht um 8 spätestens oder halb 8 aus dem Haus, dass er um 8 in der Firma ist und kommt dann
00:26:30: Enkel Leonhard Mittlerweile ist jetzt früher, aber früher war es regelmäßig so 2021 Uhr heim und das ist natürlich auch so, dass du als Kind merkst, ja, da ist die Familie eher mal nicht da und da genießt man halt vielleicht auch meinen Familienurlaub mehrer, wenn man da die Zeit hat.
00:26:49: Enkel Leonhard Mittlerweile ist er, hat er es jetzt reduziert, aber
00:26:53: Enkel Leonhard das ist vielleicht auch so ein Verantwortungsding, was man sich bewusst sein sollte, bevor man so was macht, ob man da wirklich auch Lust drauf hat.
00:27:00: Enkel Leonhard Und wir haben ja mal über Work-Life-Balance geredet und das ist auch ein Work-Life-Balance, wenn man sich das wünscht.
00:27:08: Enkel Leonhard Und ich hab eigene Erfahrungen jetzt schon gemacht.
00:27:10: Enkel Leonhard Ich war mal eine Woche beim Papa im Praktikum, hab mir seinen Arbeitsalltag angeschaut und war dann auch tatsächlich mal am Hof, also direkt an der Front und hab mir das da angeschaut.
00:27:21: Enkel Leonhard das war wirklich das Beste, die beste Erfahrung, weil da hab ich endlich mal gemerkt, was wie vielseitig und was man da, was wir da alles machen.
00:27:30: Enkel Leonhard Früher man denkt sich immer so, ah da fahrt ein Müllauto vorbei und das bringt es dann an den Hof, aber was alles für verschiedene Wertstoffe da sind, wie man die verschieden recyceln muss.
00:27:42: Enkel Leonhard Jetzt hat zum Beispiel Rockwool, unser Neuestes, wo wir dämmen wollen, verarbeiten und recyceln und wie vielseitig und
00:27:50: Enkel Leonhard auch kompliziertes mittlerweile geworden ist.
00:27:52: Enkel Leonhard Wir haben ja mal angefangen, gerade mit einer Tonne, das ist, es macht auch Spaß und ist auch auf der einen Seite verlockend und vielleicht darf man sich da nicht abschrecken lassen, aber und man muss auch den Mut mitbringen und von sich selber sagen, realistisch zu denken, traue ich mir das jetzt zu, kann ich das machen, dass ich da auch mal nicht wie meine anderen Freunde da daheim bin, sondern auch mal länger bleib und sag, nein, ich kann jetzt mal nicht mitgehen und
00:28:20: Enkel Leonhard das ist so die Abwägung und da bin ich noch nicht weit gekommen, aber ich überleg und denk immer drüber nach.
00:28:27: R. Büchl Du hast ja noch ein paar Jahre Zeit, dich auch reinzudrängen oder nicht reinzudrängen, aber was sicher richtig ist.
00:28:33: R. Büchl Und dein Cousin, der Gregor, also Sohn von der Iris, schnuppert ja jetzt mit seinen 15 Jahren, der ist 2 Jahre jünger, schnuppert auch schon mal rein.
00:28:43: R. Büchl Und das ist mit das Wichtigste aus meiner Sicht, nicht 'ne Blackbox-Firma, sagen, da ist 'ne Riesenfirma, sondern
00:28:50: R. Büchl mal an die Front reingehen und sagen, was passiert da jeden Tag und kann ich, könnte ich mir vorstellen, dass ich in dieser komplexen Thematik, dass ich dort eine entscheidende Rolle auf Dauer spiele, nämlich mein ganzes Leben lang, mich damit identifiziere und dafür sorge, dass das bleibt.
00:29:07: R. Büchl Und mit 17 musst du diese Entscheidung noch nicht treffen, das ist dein Vorteil.
00:29:11: R. Büchl Aber du musst die Entscheidung vorbereiten und du musst für dich rauskriegen, was du für ein Typ bist, mit was du dich identifizieren kannst,
00:29:19: R. Büchl was dich reizt und weil am Schluss kommt es darauf an, will ich und kann ich.
00:29:25: R. Büchl Und nur wenn beides zusammenkommt, geht es erfolgreich weiter.
00:29:30: R. Büchl Wollen allein reist, reicht nicht, wenn du merkst, ich habe die Voraussetzungen nicht, um das zu leisten.
00:29:36: R. Büchl Drum ist es auch gut, dass du mit deinem Papa mal eine Woche an der obersten Linie unterwegs bist oder auch noch öfter.
00:29:43: R. Büchl Traue ich mir das zu, kann ich das?
00:29:45: R. Büchl Und das zweite, wenn ich es kann, bin ich bereit, will ich das,
00:29:49: R. Büchl mit allen Konsequenzen, ob es gut geht, ob es schlecht geht, mit allen Auf und Abs und mit allem, was sich draußen an Megatrends und Herausforderungen ergibt, bin ich bereit, mich da reinzustürzen, ohne Rücksicht auf mich selbst auch und zu sagen, das ist jetzt meine Herausforderung, das ist meine Aufgabe und das ist meine Verantwortung für die nächsten 30 Jahre.
00:30:10: R. Büchl Und das mache ich.
00:30:11: R. Büchl Und wenn die beiden Sachen zusammenkommen, dass du sagst, ich traue mir es zu, bilde mich auch entsprechend aus natürlich.
00:30:17: R. Büchl Und zum zweiten,
00:30:19: R. Büchl Ich will das mit jeder Konsequenz und siehst dich heute schon mit glänzenden Augen, als irgendwann ein Unternehmer.
00:30:26: R. Büchl Dann wäre es schade, wenn der dritte Übergang in unserem Unternehmen, der dritte Familienübergang, nicht auch wieder innerhalb der Familie vollzogen werden könnte.
00:30:38: R. Büchl Was dich betrifft, was den Gregor betrifft, was die Valentina betrifft, was ja alles noch offen ist, was die mal vorhaben in ihrem Leben.
00:30:45: R. Büchl Aber das ist halt die nächste Generation, die jetzt
00:30:48: R. Büchl rein physisch und familiär.
00:30:51: R. Büchl Wir reden zur Verfügung stehen.
00:30:52: Enkel Leonhard Wir reden jetzt immer über unsere Firma, aber wir haben auch viele Zuhörer, die und denen mag ich auch mitgeben, wenn man zum Beispiel sich selber sagt, man hat jetzt eine gute Idee und traut sich zu, auch was zu gründen, dann sollte man das natürlich genauso machen.
00:31:07: Enkel Leonhard Also wir reden jetzt auch über Nachfolge, aber das ist irgendwie das Gleiche, find ich, alle Generationen, wenn es übergeben wird, wird die Firma auch irgendwie neu gegründet, weil da ist
00:31:17: Enkel Leonhard es ist zwar eine Substanz da, klar, aber es ist trotzdem ein unerfahrener Mensch vorne dran und der muss dann seine eigenen Erfahrungen machen und kann auch seine Fehler machen.
00:31:27: R. Büchl Aber es ist schon ein riesen Unterschied, das muss man ganz klar sehen und wir haben beim letzten Mal über das, über diese Gründerherausforderung gesprochen und jetzt geht es um das, um dieses Nachfolgethema, das, sag mal, genauso wichtig ist, das andere Rahmenbedingungen hat, aber
00:31:43: R. Büchl eine Herausforderung darstellt, die für ein Unternehmen, für die Arbeitsplätze, dass die vielleicht gar nicht so registrieren, die Mitarbeiter, wie entscheidend der Punkt ist, ob es wieder funktioniert.
00:31:54: R. Büchl Und was ich von meinem Vater, das war in dem Punkt ein äußerst weiser Mann, was ich von dem mitgenommen habe.
00:32:00: R. Büchl Ich habe gesagt, wenn ich in die gleiche Situation mal komme, dass ich auch Nachfolger habe, wie er hatte mit mir, dann mache ich es genauso wie er, nämlich über Nacht sagen und ab morgen entscheidet ihr alles.
00:32:13: R. Büchl Da werden riesige Fehler gemacht im Familienunternehmen, wo die Alten nicht loslassen, die Jungen nicht richtig zum Laufen kommen und dann ist der Chef 80 und der Junior ist 60 oder sowas.
00:32:24: R. Büchl Unmögliche Zustände.
00:32:25: R. Büchl Und ich habe immer das Beispiel gebracht: Unternehmensnachfolge in der Familie ist wie Überholen auf der Straße.
00:32:31: R. Büchl Du kannst kilometerlang hintereinander herfahren.
00:32:34: R. Büchl Der Alte fährt voraus, der Junge fährt hinterher.
00:32:37: R. Büchl Und dann kommt der Überholvorgang.
00:32:39: R. Büchl Und dann kannst du aber nicht kilometerlang nebeneinander herfahren,
00:32:43: R. Büchl sondern muss der vordere vom Gas und der hintere mit Vollgas vorbei und dann geht es weiter.
00:32:48: R. Büchl Und das ist bei uns erfolgreich gelaufen, von meinem Vater auf mich.
00:32:51: R. Büchl Das war eine unheimlich tolle Entscheidung meines Vaters, mir dieses Vertrauen zu geben.
00:32:57: R. Büchl Für mich eine große Herausforderung.
00:32:58: R. Büchl Und genauso habe ich es gemacht mit deinem Vater und der Iris.
00:33:03: R. Büchl Ich gesagt, ich bin jetzt soweit.
00:33:05: R. Büchl Wenn ihr auch soweit seid,
00:33:07: R. Büchl ab morgen entscheidet ihr alles.
00:33:08: R. Büchl Da waren sie aber schon ein paar Jahre natürlich in der Firma.
00:33:10: R. Büchl Also man muss schon, die Voraussetzungen müssen einigermaßen passen.
00:33:13: R. Büchl Aber da muss der Punkt kommen und das ist, da ist der Alte wichtiger normal als der Junge, weil im Regelfall die Alten nicht loslassen können.
00:33:22: R. Büchl Und ich sag nicht, mir ist das leicht gefallen, über Nacht zu sagen, er entscheidet alles.
00:33:26: R. Büchl Und dann schaust du zu und sagst, was machen Sie denn jetzt, was hätte ich gemacht?
00:33:30: R. Büchl Also das ist schon, sagen wir, eine mutige Entscheidung, aber rückwirkend betrachtet,
00:33:36: R. Büchl hätt es mein Vater sicher genau wieder so gemacht und ich hätt es auch wieder genauso gemacht.
00:33:40: R. Büchl Das ist das einzig Richtige, einen Cut und zu sagen, ich steh noch zur Verfügung, 724 wenn du ein Problem hast, rufst du mich an, wenn du dich nicht meldest.
00:33:51: R. Büchl Ist alles akzeptiert, was du entscheidest.
00:33:54: R. Büchl Äußerst mutig, da bin ich stolz auf mich, dass ich es hingekriegt hab, stolz auf meinen Vater, dass er auch so gemacht hat.
00:34:00: R. Büchl Das waren zweimal ganz entscheidende Schritte
00:34:03: R. Büchl in unserer Unternehmensgeschichte, was die Familie betrifft, dass dieser Übergang so professionell und so mutig gemacht worden ist und auch gelungen ist.
00:34:12: R. Büchl Ja, und darum können wir jetzt oder haben wir jetzt diese Woche unser 75-Jahr-Feier in einer Form gefeiert, wo sichtbar geworden ist, wo die Stärken, wie stark ein Familienunternehmen ist, wenn eben die Dinge, wie wir sie besprochen haben, so gemacht werden wie bei uns.
00:34:30: R. Büchl Und da bin ich unglaublich stolz drauf,
00:34:33: R. Büchl dass es so ist und das, ich kann das gar nicht beschreiben, was für mich eben jetzt diese 75-Jahr-Feier tatsächlich bedeutet hat.
00:34:43: R. Büchl Hoffentlich auch für euch.
00:34:45: Enkel Leonhard Na klar, also ich fand es auch richtig beeindruckend und toll und die war auch super und ich finde so Geschichten aus der Vergangenheit immer richtig interessant.
00:34:55: Enkel Leonhard Deswegen habe ich die heute sehr lange erzählen lassen, aber man kann jetzt viel über Theorie reden, aber ich finde eigentlich die Praxisbeispiele
00:35:02: Enkel Leonhard noch viel schöner und interessanter und authentischer.
00:35:05: Enkel Leonhard Und das mag ich eigentlich am meisten.
00:35:07: Enkel Leonhard Und da gibt es so viele Geschichten, wo eigentlich unglaublich sind und was sich da so im Leben alles ergibt.
00:35:14: Enkel Leonhard Und deswegen fand ich das jetzt schön, dass wir jetzt die letzten 2 Folgen da über die Unternehmensgeschichte geredet haben und dann schauen wir mal.
00:35:24: R. Büchl Es gibt ja eine Außenansicht von einer Firma und es gibt eine Innenansicht.
00:35:28: R. Büchl Und das, was wir jetzt gemacht haben, auch bei unserer Firmenfeier, war eigentlich
00:35:32: R. Büchl die menschliche Seite eines Unternehmens rauszukehren und eben Stories zu erzählen, die normal keiner von draußen mitkriegt, die aber vielleicht genauso interessant sind wie die eigentliche Entwicklung des Unternehmens.
00:35:46: R. Büchl Denn in einem Familienunternehmen ist Familie, Name der Firma und Firma selbst insgesamt eine Einheit, die entweder in dieser Einheit funktioniert oder nicht.
00:35:58: R. Büchl Und wir können jetzt stolz sein,
00:36:00: R. Büchl mit unserem 75-jährigen Jubiläum, dass mit den ganzen Problemen, die mir schlaflose Nächte bereitet haben und auch meinen Eltern, dass unterm Strich der Erfolg eingetreten ist, auch zurecht und ich meine, verdient.
00:36:15: R. Büchl Und deshalb können wir heute stolz sein auf das, was da in 75 Jahren sich entwickelt hat und geleistet worden ist.
00:36:21: Enkel Leonhard Das stimmt, da kann ich mich nur anschließen.
00:36:24: Enkel Leonhard Und dann würde ich sagen, wenn es euch gefallen hat, dann vergesst nicht zu abonnieren,
00:36:29: Enkel Leonhard gibt es auch euer Feedback wieder.
00:36:32: Enkel Leonhard Fand ich echt schön, wie ich jetzt in den letzten Wochen auch persönliches Feedback bekommen hab.
00:36:36: Enkel Leonhard Das hat mich echt gefreut und auch das bringt einen weiter.
00:36:40: R. Büchl Und natürlich, wenn ich das noch sagen darf, würde mich riesig freuen, wenn ich es noch erleben dürfte.
00:36:45: R. Büchl Auch die vierte Generation, Familie, den Einstieg in unser Familienunternehmen über die vierte Generation.
00:36:52: R. Büchl Und ich hatte eben dieses Riesenglück, dass mit deinem Vater, deiner Tante, welche nachgekommen sind,
00:36:59: R. Büchl die unsere Philosophie, unsere DNA, unser Verhalten, unsere Familienfirma so erfolgreich weiterentwickelt haben.
00:37:08: R. Büchl Und das wünsche ich mir, dass ich das vielleicht noch erleben dürfte, dass das noch mal in einer nächsten Generation in der gleichen Weise passiert.
00:37:16: Enkel Leonhard Also dann haben wir auch noch einen Ausblick in die Zukunft bekommen und das finde ich einen schönen Schlusspunkt, wo ich sagen kann, bis zum nächsten Mal.
00:37:24: R. Büchl O.k, ciao.
Matthias Heeschen
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